Einen Tag nach dem genialen Lamb Of God Konzert hatte ich schon wieder das Glück eine genauso gute Show zu erleben. Dieses Mal On Stage: The Dillinger Escape Plan.
Im März letzten Jahres spielte die Band ebenfalls in der Arena. Damals war die Show restlos ausverkauft, heute nur gut besucht bei einer verkleinerten großen Halle obwohl die “Vorband” mit Sepultura deutlich bekannter war als zuletzt Poison The Well und Stolen Babies. Das störte aber niemanden, schon gar nicht die Band.
Startete man letztes Mal noch ohne Umwege mit “Panasonic Youth”, das von der ersten Sekunde an Chaos pur ist, setzte die Band dieses Mal überraschenderweise ein instrumentales Intro davor, welches auf der Setlist mit “New Song Intro” betitelt wird. Dieses bewegte sich im Midtempo Bereich und dauerte rund 2 Minuten. Für DEP klang es untypisch aber man muss den Kontext am Album abwarten. Hier als Opener passte es perfekt. Als Greg die Bühne betrat folgte wie erwartet das Doppelpack “Panasonic Youth” und “43% Burnt”.
Dass Dillinger Escape Plan für eine der energetischten Shows auf der Bühne stehen, sollte sich schon herumgesprochen haben. Vor ihnen war wie gewohnt Nichts sicher. Die Boxentürme wurden erklungen, über die gesamte Bühne wurde gesprungen und auch Ausflüge ins Publikum standen am Programm. Beim unerwarteten Aphex Twin Cover “Come To Daddy” forderte Greg zum Mitsingen auf und nach der ersten Zeile sprach er ein “Fuck This” aus und sprang vor die Absperrung in die erste Reihe genau vor mich und alle brüllten gemeinsam “I Want Your Soul” in sein Mikro. Das steigerte den Energie-Level natürlich noch weiter und das sollte nicht der letzte Ausflug bleiben. Ben ließ sich das Crowdsurfen samt Gitarre auch nicht nehmen.
Von der Bühne aus wurden immer einzelne Personen durch Gesten direkt angestachelt und die Band spielte nicht nur stur ihr Programm herunter. Greg widmete dem Publikumsbereich rund um mich sogar einen Song. Er muss wohl Gefallen daran gefunden haben, dass uns ihr Auftritt offensichtlich so gefällt ;) Nach einem Song kam er auch zu uns und sprach ein “Fuck Yeah” ohne Mikrofon aus. Solche Aktionen sind einfach sympathisch.
Der Mann hinter den Drums wurde vor einem halben Jahr wieder ausgetauscht und nun trommelt der junge Billy Rymer wie ein Wilder auf den Kesseln herum. Dass die Songs von DEP zu den anspruchvollsten überhaupt zählen, v.a. an den Drums, stellte für ihn offensichtlich kein Problem dar. Das Drum Solo im Break von “When Good Dogs Do Bad Things” war zusätzlich wirklich atemberaubend. An diesem Abend wurde weiters “Jim Fear” zum ersten Mal mit Billy live gespielt! Wenn er es vergeigen sollte, drohte ihm Greg an, ihn an uns zu verfüttern.
Eine wunderschöne Überraschung kam als Ben plötzlich ein Keyboard vom Rand der Bühne zu ihm zerrte und die Gitarre an seinen Tech zum Spielen übergab. Das deutete auf den ruhigen Schlußsong des aktuellen Albums “Ire Works” hin und ich sollte Recht behalten. Es erklang das verzaubernde “Mouth Of Ghosts”.
Einige Pannen passierten bei all der unkontrollierten Energie auf der Bühne natürlich auch. So rutsche Ben einmal sehr witzig aus, als er am Case am Bühnenrand stand. Lustigerweise schlug Ben gerade bei “Fix Your Face” Greg mit seiner Gitarre ein kleines Cut am Kopf. Diesen schien das aber wenig zu beeindrucken und so beendete er das Konzert mit einem halbblutigen Gesicht.
Den Abschluß setzte wie erwartet das grandiose “Sunshine The Werewolf” und DEP verzichteten zum Glück wie immer auf das unnötige Zugaben-Spiel. Nach der Nummer hüpften Greg und Ben in den Fotograben und bedankten sich ausgiebig bei den ersten Reihen. Der Sympathiewert wurde noch weiter gesteigert als beim Abbau Liam und Billy vor die Bühne kamen und sich mit den Leuten unterhielten, Autogramme gaben und einfach natürlich waren. Vor allem Billy merkte man es an, wie er sich über all das Lob über seine Künste ehrlich freute.
Dass solche Auftritte natürlich extrem kraftraubend sind, erklärt warum sich ihre Spielzeit in der Regel immer um die 50 Minuten Marke bewegt. Doch nicht heute! Die Band spielte knapp über 70 Minuten und Liam erzählte mir mit einem erschöpften Gesicht, dass das längste Set war, das sie _jemals_ gespielt haben. Unglaublich!
New Song Intro
Panasonic Youth
43% Burnt
The Running Board
Milk Lizard
Sugar Coated Sour
Lurch
Horse Hunter
Setting Fire To Sleeping Giants
When Good Dogs Do Bad Things
Weekend Sex Change
Destro’s Secret
Come To Daddy (Aphex Twin Cover)
Mouth Of Ghosts
Black Bubblegum
Jim Fear
Fix Your Face
Sunshine The Werewolf
Vor ihnen spielten wie eingangs erwähnt Sepultura, die zwar auch einen Wahnsinnigen hinter den extrem gut klingenden Drums sitzen hatten aber mich gesamt nicht mitreißen konnten. Mit Songs wie “Roots Bloody Roots” oder “Refuse/Resist” kann man zwar nichts falsch machen aber der Rest langweilte in den 80 Minuten eher.
