Protest The Hero. Ein Name, den man hier schon öfters gefunden hat. Die Band hat mit “Fortress” nicht nur eines der besten Alben der letzten Jahre abgeliefert, sondern auch im Rahmen der Never Say Die! Tour bewiesen, dass sie die Lieder live umsetzen können. Nur leider waren sie neben drei Deathcore und drei Metalcore Bands stark deplatziert. Deswegen nun endlich die Headliner Tour.
Support war niemand geringer als The Chariot! Über sie zu schreiben und nicht den Namen Norma Jean zu erwähnen, ist fast unmöglich. Josh Scogin, Original-Sänger von eben jener Truppe, verließ kurz nach dem ersten (und immer noch besten) Album “Bless The Martyr And Kiss The Child” die Band und gründete The Chariot. Da er in beiden Gruppen Hauptsongwriter war, gab es kaum Veränderungen. The Chariot setzten dort an, wo Norma Jean 2002 aufgehört hatten. Hardcore mit starkem Chaos Einschlag und das komplett ohne cleane Vocals. Wie man in unzähligen Live-Videos sehen konnte, agierten die Mitglieder auf der Bühne live so wild wie maximal sonst noch The Dillinger Escape Plan. Beispiel gefällig?
Da die Tour in Österreich nur im Rahmen des Salzburger Spring Metal Festivals Halt machte und die Bands dadurch vermutlich wieder nicht die verdiente Aufmerksamkeit erhielten, wurde schnell die Reise nach Prag zu einer Einzelshow fixiert und gestern war es endlich soweit.
Angekommen im Futurum fiel wie bereits beim Festsaal Kreuzberg in Berlin auf, dass dieser Club deutlich schöner ist, als was Österreich an Locations zu bieten hat. Aussagekräftige Fotos finden sich hier. Die Kapazität von geschätzt 600 Leuten konnte an diesem Abend leider maximal zur Hälfte ausgenutzt werden.
Den Anfang machten The Human Abstract. Soundmässig schwer zu beschreiben aber doch irgendwo in der Nähe von Protest The Hero. Doch für diesen Fall gibt es MySpace.
Lustig war die Optik auf der Bühne. Zwei bärtige, schlanke Hünen mit langen Haaren hatten Gitarren umgehängt, ein um einen Kopf kleineres Pummelchen bearbeitete das Mikro, ein magersüchtiges Bubi haute auf die Tasten der Keyboards und ein dicker, stets um möglichst wenig Bewegung bemühter Asiat zupfte die Bass-Saiten. Der Mann hinter dem Drum-Kit war mangels Licht nur schwer auszumachen.
Die Show von The Human Abstract war in Ordnung aber konnte nicht überzeugen. Es war einfach nichts besonderes.
The Chariot erledigten anschließend selbst den Soundcheck und nachdem Josh seine Nerd-Brille abgelegt hatte, wurde in aller Ruhe bekannt gegeben, dass sie nun anfingen. Sofort wüteten die Mitglieder auf der Bühne los und standen in den 30 Minuten nur wenig still.
Die Setlist kann ich leider nicht nennen aber fix zu hören waren “Before There Was Atlanta, There Was Douglasville”, “Back To Back”, “The Deaf Policemen” und “Then Came To Kill”. Weiters wurde ein Lied von dem im Mai erscheinenden Album “Wars And Rumors Of Wars” präsentiert. Eine Angst muss man bei The Chariot jedenfalls nicht haben: Dass sie softer werden.
Nach all den Reviews und Videos mit diversesten Aktionen hätte ich mir eine Spur mehr “Madness” erwartet aber trotzdem war die Show unglaublich mitreissend und ich wüsste keine Band, bei der wirklich alle Mitglieder so intensiv agiert hätten.
Protest The Hero benötigten nur 15 Minuten für den Umbau und starteten in das instrumentale Intro von “Limb From Limb” mit einem grandiosen Sound. Laut aber nicht zu laut und die Gitarrenmelodien stets wunderbar hörbar. Danach trat auch Sänger Rody hinter das Mikrofon und war im Gegensatz zur letzten Show nicht stark akoholisiert. Trotzdem gab er später an sich wie “a pair of testicles which get smashed by a hammer over and over again” zu fühlen. Davon merkte man bei seiner Performance zum Glück aber nichts. Auch die restlichen Musiker spielten sich tip-top durch die 50 Minuten.
Die Ansagen zwischen den Songs waren wieder äußert witzig. Als sich Zuschauer aus Kanada, Ungarn und Österreich bemerkbar machten, fragte Rody ob überhaupt jemand von hier sei. Auf die spätere Frage ob das Publikum einen Song über “spaceships” hören wolle und die Reaktion eher verhalten war, antwortete er mit “me neither but that’s how it goes” und “Sequoia Throne” begann aus den Boxen zu dröhnen.
Die Setlist bestand aus acht der zehn Lieder von “Fortress” und drei alten von “Kezia”. Eine Aufteilung, die mir persönlich gut gefiel. Der Auftritt war spitze und das einzige, das man kritisieren könnte, war, dass der Saal etwas mehr Zuseher oder das Konzert einen kleineren Saal vertragen hätte.
Limb From Limb
No Stars Over Bethlehem
Goddess Bound
Goddess Gagged
Palms Read
Blindfolds Aside
Sequoia Throne
Nautical
The Dissentience
Wretch
Bloodmeat
Schön war übrigens, dass PTH-Bassist Arif den Auftritt in Salzburg als nur “okay” bezeichnete und sich selbst auch deplaziert fühlte, was die Entscheidung nach Prag zu fahren natürlich weiter aufwertete. Genau wie der Bier-Preis von 1€.
Einige Stunden später war ich wieder in Wien und vorerst habe ich genug von langen Zugfahrten.
