
Jedes Festival beginnt bekanntlich mit der Anreise, dem Suchen eines geeigneten Platzes zum Campen und anschließendem Transport des Gepäcks zu jenem. Das kann oft in Stress, Frustation und dergleichen ausarten. Nicht so heuer am Frequency! Trotz etwas späterer Ankunft fanden wir einen flachen Platz, der groß genug für unsere zehn Zelter samt Pavillon war und locker noch mehr untergebracht hätte. Entspannt ging es ans Aufbauen und auch der Weg zum Auto hielt sich in Grenzen.
Alles perfekt.
So auch der erste Tag. Bei strahlendem Sonnenschein wanderten wir im wahrsten Sinne des Wortes aufs Areal und sahen von den Essensständen einen Teil von The Wombats. Wer auf britischen Indie ohne eigene Identität steht, ist hier richtig. Zu den folgenden We Are Scientists kann ich auch nur sagen, dass sich nach dem ersten und mir einzig bekannten Lied schnell Langeweile einstellte. Einzig lustig anzusehen war der Bassist.
An dieser Stelle folgt jetzt ein absolutes Fanboy-Review: The Dresden Dolls gesellten sich nach relativ genau zwei Jahren endlich wieder vor meine Augen. Brian sogar schon vor dem Auftritt: Er erledigte seinen eigenen Soundcheck und verschenkte währenddessen Sticks. Sehr sympathisch.
Nachdem er Amanda auf die Bühne geholt hatte und nach Überwindung des technischen Problems “Sex Changes” erklang, stellte sich bei mir ein pures Glückgefühl ein.
Natürlich waren alle Clubgigs besser. Natürlich hätte die Setlist anders aussehen können. Natürlich hat man gemerkt, dass sie länger nicht zusammen gespielt haben. … Aber in diesem Moment war wirklich alles egal. Ich habe mich so gefreut diese Band endlich wieder zu sehen, bin in den Liedern aufgegangen und hatte über 45 Minuten ein so fettes Grinsen im Gesicht wie schon lange nicht mehr.
Die Performance von “Half Jack” und dem überraschenden “War Pigs” Cover waren wieder derart mitreißend, dass es eine Freude war. Als man erfuhr, dass man noch länger Zeit hatte, schrie jemand “Backstabber” und obwohl sie es nicht geprobt hatten, entschieden sie sich zu der Performance. Ich liebe die Spontanität an dieser Band!
Amanda versuchte ihre Ansagen komplett auf Deutsch zu halten was cool zu hören war und sie ja doch einiges von sich gab. Darunter auch die Ankündigung der Auftritte ihrer einzelnen Projekte. Also: Amanda wir sehen uns am 18. & 20. Oktober, Brian wir evtl. schon am 2. September.
Sex Changes
Night Reconnaissance
Coin-Operated Boy
Eisbär (Grauzone Cover)
Girl Anachronism
Half Jack
Backstabber
War Pigs (Black Sabbath Cover)
Was ist der Kapitalfehler, den eine Band in Österreich begehen kann? Richtig, zu behaupten man spiele gerade in Deutschland. Das taten Mindless Self Indulgence und zwei unmotivierte und ohne Druck gespielte Lieder vertrieben uns schnell wieder von der Green Stage.
An dieser Stelle muss ich ein Lob an die Organisation aussprechen: Das Chill Out Zelt ist genial. Rund 100 Hängematten stehen zur freien Verfügung und wir nahmen welche für ein paar Stunden in Beschlag. Selbst die eingeplanten Flogging Molly brachten uns nicht auf.
Bekanntlich gibt es auf jedem Festival eine Überraschung. Eine Band von der man nicht geglaubt hätte, dass sie einem überhaupt gefällt, überzeugt plötzlich auf voller Linie. So geschehen bisher z.B. mit Linkin Park, The Prodigy oder Kid Rock. Dieses Mal waren das Travis. Schöne Musik, gute Performance. Hoffentlich zündet das auch auf Platte.
Obwohl mir in letzter Zeit elektronische Musik zu gefallen weiß, empfand ich Digitalism als nicht sonderlich aufregend. Irgendwie war das dann doch nur “Bum-Bum-Musik”.
Nach einer Nacht im Partyzelt erwachte ich nicht mit einem Surren im Ohr sondern zu den Klängen von Regentropfen auf dem Zelt. Unmotiviert saßen wir darauf für einige Zeit unter dem Pavillon und sahen dem Regen zu. Selbst die 2m ins Zelt erschienen oft zu weit zum Aufstehen – geschweige denn dann zum Gelände um den ganzen Tag nass zu werden.
Jemand meinte, dass eine Therme jetzt das Höchste der Gefühle wäre. Langer Rede, kurzer Sinn: Ein paar Anrufe und eine Stunde später saßen wir im Auto und fuhren nach Bad Reichenhall.
Nach dem Einkauf von Badehosen lagen wir für einige Stunden im heißen Wasser und es war unbeschreiblich gemütlich und entspannend :) Das war für mich persönlich die Rettung des Festivals.
Wieder angekommen am Gelände fanden wir ein Meer aus Matsch vor aber “3 Tage Wach” war ein Pflichttermin. So ging es zu später Stunde runter ins Elektrotent. Dort Ken Hayakawa für unspannend empfunden, deswegen etwas zu Essen besorgt und vom Stand aus noch ein paar Lieder Der Fantastischen Vier gehört.
“Auf gehts, ab gehts, drei Tage wach,…” erklang darauf in einem 15-Minuten-Remix im Elektrotent und war aber leider nicht der erwartete Knall. Schade Herr Lützenkirchen, das geht besser.
Beim Schlafen gehen wurde noch die Hoffnung gehegt, dass man am Morgen wie sonst wegen Hitze aus dem Zelt getrieben wird. Leider war dem nicht der Fall sondern wie in der Nacht zuvor plätscherte Wasser auf die Plane. Die Motivation war am Boden und hätten Thrice nicht an dem Tag gespielt, wäre ich schon auf dem Weg nach Hause gewesen.
Doch die Überraschung kam: Gegen Mittag stoppte der Regen und auch den restlichen Tag über sollte man kein Wasser von oben mehr spüren. Sehr schön :)
Trotzdem wurde einen Tag früher als geplant abgebaut und wir warteten uns den Weg zum Auto und wieder zurück vor die Bühnen. Wenn ich jetzt schreibe, dass ein gutes Drittel der Besucher schon an diesem Tag abgereist ist, ist das sicherlich nicht übertrieben. Es fehlten viele Zelter und Autos, der Wartehaufen bei den Shuttlebussen war riesig und auch am Gelände war spürbar weniger los.
Unter Geschichten, die das Festival schreibt, fällt die des Hofa. Dieser ist nach einer durchzechten Nacht bei anderen Freunden aufgewacht und als er seine mit ihm angereisten Leute anrief und sich erkundigte wo sie denn sind, bekam er “im Zug” als Antwort. Der Gute wurde einfach vergessen und lief anschließend mit einem Müllsack, der sein ganzes restliches Hab und Gut beinhaltete, durchs Gelände.
Beim Mittagessen lieferten Absentee die Hintergrundbeschallung, die zu gefallen wusste. Eine Stimme, die sehr an Leonard Cohen erinnerte, sang über Folk Musik. Nett.
Alkaline Trio haben ihren Auftritt abgesagt, weswegen alle unteren Bands einen Slot nach oben rutschten. Deswegen sahen wir statt Get Well Soon unabsichtlich Itchy Poopzkid. So unnötig wie der Name schlecht.
Ob Wandertag ausgebrochen ist, fragte Thomas als wir nach einigen Minuten wieder zurück zur Green Stage gingen um kurz Julia zu sehen. Ich wollte aber die aktuelle Single “A Hell Of A Speech” hören und da die vier Herren in der Kreation ihrer Setlisten nie sehr variieren, war der Song auch heute wieder Opener. So konnten wir nach ein paar Songs wieder zurück wandern.
A Hell Of A Speech
Technology
Turnaround
A Cause For Comfort
(…)
Get Well Soon spielten auf dem Slot von Thrice und eigentlich hätte ich sie mir nur weg wünschen können um endlich meine absolute Lieblingsband zu sehen. Doch die Truppe rund um den Kopf Konstantin Gropper wusste unglaublicherweise zu begeistern.
“Frice aka. Tha Lordz of Technikul Difficulteez” findet man im Blog-Eintrag von Thrice nach dem Auftritt am Frequency. Das entspricht leider der Wahrheit. Vor allem Teppei hatte den ganzen Gig über mit technischen Problemen zu kämpfen. So klang z.B. das Intro zu dem Opener “All That’s Left” sehr strange. Zu kämpfen hatten sie auch mit einem scheiß Publikum. Wieso fordern Leute schreiend Lieder, die sowieso fix gespielt werden und stören so den Fluß des Konzertes? Von den Besoffenen, die ihrem Ärger über die Alkaline Trio Absage Raum machten, will ich gar nicht erst anfangen. Pogo-Musik machen Thrice außerdem auch nicht.
Doch wenn man über all das hinweg sieht, kann man auf einen tollen Auftritt zurückblicken. Für mich stand im Vorfeld ein großes Fragezeichen über der Setlist. Am Meisten gehofft hatte ich auf das nicht sehr wahrscheinliche “Of Dust And Nations” … und ich konnte mein Glück kaum fassen als es wirklich erklang! Ebenfalls wunderschön war “For Miles”.
Während “Digital Sea” legte Dustin seine Gitarre bei Seite und mit dem stylischen Funkgerät als Mikrofon kam auch bei ihm mehr Bewegung ins Spiel, was schön zu sehen war. Die Chöre am Ende von “Firebreather” wirkten live noch intensiver, ebenso wie das folgende “The Messenger”. Diese drei Songs waren interessanterweise die einzigen von den Alchemy Index EPs.
Gegen Ende wurde die Setlist etwas umgewürfelt um ein paar “yelling people” zu besänftigen und nach einer kurzen Besprechung feuerte man die Hits “Deadbolt” und “Stare At The Sun” in die Menge.
Als Abschluss diente “The Earth Will Shake” und rückblickend kann ich sagen, dass es ein unglaubliches Gefühl war meine Lieblingsband endlich wiederzusehen. Keine Band kann mich in meinem Inneren nur annähernd so bewegen. Hier passt einfach alles. Aber über meine Liebe zu Thrice könnte ich einen eigenen Eintrag füllen…
All That’s Left
Silhouette
Digital Sea
Of Dust And Nations
Firebreather
The Messenger
For Miles
The Artist In The Ambulance
Deadbolt
Stare At The Sun
The Earth Will Shake
Kaizers Orchestra haben dasselbe Problem wie die Hives: Einen arroganten Sänger. Natürlich leben diese Bands davon aber ich kann sowas einfach nicht ab. Musikalisch waren die eingesetzten Instrumente interessant aber grundsätzlich ist die Balkan-Schiene sowieso nicht meines.
Beendet wurde das Festival für mich von den Dropkick Murphys. Diese spielten einen kurzweiligen Auftritt obwohl das einzige Lied, das ich kannte, erst als Zugabe kam.
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Die lange Grußliste (ohne besondere Reihenfolge): Thomas, Clemens, David, Sarah & Freunde, Paci & Hannah, Betti, Moni, Claudia, Sabi, Geri, Woifi, Hofa (aka der Vergessene), Andrea, Güggi & Kathi, Joshi, die Zeltpisser (aka Jank, Sandra & Rest), Perli, Iris, Lisa, Babsi, Messi, Timmäh,…

Habe ihn entfernt falls du den gemeint hast, den ich vorher gerade selbst gefunden habe *g*
haha ok, ja den hab ich gemeint.
Zur Verteidung muss ich sagen, dass ich den Absatz während des Korrektur-lesens wieder geändert hab *g*
http://en.wikipedia.org/wiki/Live_at_the_House_of_Blues_(Thrice_album)
http://www.moshcam.com/?#?page=player&type=gig&id=244
;-)

Korrektur gelesen und trotzdem hat sich ein Fehler eingeschlichen :D
d.